Freitag, 6. April 2018

Wir Tiere haben ein Recht auf Hilfe!

🐶 Ein Recht auf Hilfe - das haben wir Tiere hier in Deutschland. In unserer aktuellen Kolumne im Hundemagazin WUFF beschreibt mein menschliches Cerebral-Interface die rechtliche Sicht, indem er die auf Tierrecht spezialisierten Anwälte Susan Beaucamp, Andreas Ackenheil befragt hat. Wir hatten ja mal einen solchen radikalen Tierschützer getroffen, der Tiere aus teilweise grausamen Lebensumständen befreit. Dafür brechen sie andere menschliche Gesetze und sind demnach Verbrecher, aber sie befolgen dafür andere Gesetze und sind deswegen auch für viele Helden.

🐶 Ich hab mal recherchiert...nunja, in den Unterlagen meines Ollen geschnuppert... *frechwedel*Foto: Lutz Borger

Andreas Ackenheil
Denn wusstet ihr, dass man aus euren Gesetzen quasi auch eine "Unterlassene Hilfeleistung bei Tieren" ableiten könnte? Ich hab mal in die Interview-Unterlagen meines Ollen geschnuppert und bin dabei auf interessante Passagen gestoßen. Auf die Frage: § 323 c Absatz 1 StGB behandelt den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung. Gilt das auch für Hunde, sofern eine Gefahr für sie besteht?, antwortete Ackenheil: "Dies ist eindeutig im Gesetz nicht geregelt, kann sich jedoch aus der Auslegung der entscheidenden Paragraphen ergeben. Danach liegt eine unterlassene Hilfeleistung vor, wenn jemand vorsätzlich bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist (§ 323c StGB).

Als Unglücksfall muss ein plötzliches Ereignis auch dann verstanden werden, wenn es eine erhebliche Gefahr für ein Tier hervorruft oder hervorzurufen droht. Unglücksfälle nur auf menschliche Individualrechtsgüter zu beschränken, ist vom Gesetzeswortlaut nicht geboten und jedenfalls seit der Änderung des § 90a BGB nicht mehr korrekt. Ein plötzliches Ereignis kann eine rohe Mißhandlung sein.

Andreas Ackenheil mit Maggie und Bubbles

Hilfeleistungspflicht besteht jedenfalls gegenüber einem angefahrenen Hund bzw. einer unmittelbar bevorstehenden oder gerade stattfindenden Tierquälerei. Unterlassene Hilfeleistung gegenüber einem Tier kann gem. § 323 c StGB auch begehen, wer nicht hilft, obwohl ein Tier in Lebensgefahr schwebt bzw. ihm der Eintritt oder die Fortdauer vermeidbarer Schmerzen oder Leiden droht.

Andreas Ackenheil mit Maggie und Emma

Auch unmittelbar drohende Gewalttaten wie Tierquälerei durch Dritte können genügen. Erforderlich ist eine Hilfeleistung immer dann, wenn nach dem ex –ante-Urteil eines verständigen Beobachters der Täter zur Zeit seines möglichen Handelns eine Chance hatte, den drohenden Schaden abzuwenden und sei es auch nur dadurch, dass er die Polizei, einen Tierarzt oder die zuständige Verwaltungsbehörde verständigt."

Susan Beaucamp mit ihren Vizslas
Zur gleichen Frage sagt Beaucamp: "§ 323 c StGB begründet eine allgemeine Hilfeleistungspflicht in akuten Notlagen. Es muss ein Unglücksfall, eine gemeine Gefahr oder eine Not bestehen. Dem Hilfeleistenden muss es dabei aber auch möglich sein zu helfen und es muss ihm zumutbar sein.

Grundsätzlich beschränkt sich die Vorschrift nicht nur auf Menschen. Im Tierschutzkommentar von Lorz/Metzger, ist beschrieben, dass als Unglücksfall auch ein plötzliches Ereignis verstanden werden muss, wenn es eine erhebliche Gefahr für ein Tier hervorruft oder es hervorzurufen droht. Eine ledigliche Anwendung auf menschliche Individualrechtsgüter sei vom gesetzlichen Wortlaut nicht geboten und vor allem seit der Änderung des § 90 a BGB nicht mehr korrekt.

Susan Beaucamp

Da Tiere Verfassungsstatus besitzen und mithin durch den Staat geschützt werden, ist von einer Beschränkung des § 323 c nur auf Menschen abzusehen. Somit kann in einer Gefahrensituation für einen Hund auch eine Handlungspflicht bestehen, sofern sie für den Beobachter zumutbar, also auch ungefährlich und möglich ist.

Wenn ein Hund auf der Autobahn angefahren wurde und auf der mittleren Leitplanke liegt, wäre es für Autofahrer beispielsweise nicht zumutbar auszusteigen und über die Autobahn zu laufen. Ein Anruf bei der Polizei jedoch schon.

Susan Beaucamp

Jene unterlassene Hilfeleistung aber auch anzuzeigen, ist nur mit Beweisen dahingehend sinnvoll, dass derjenige wirklich absichtlich die Gefahr übersehen und übergangen hat, obwohl es ihm möglich gewesen wäre zu helfen. Solche Beweise zu bekommen, gestaltet sich jedoch in der Praxis meist schwierig."

🐶 Okay, zugegeben: als Hund versteh ich nicht alles davon... *ohrennachvorn* Es ist in eurem Rudel namens Gesellschaft auf jeden Fall kein Freifahrtschein für Selbstjustiz! Aber offenbar haben wir zumindest theoretisch ein Recht darauf, dass ihr uns in der akuten Not helft. Immerhin habe ich auch gelernt, dass wir Tiere keine Sachen sind für das Gesetz - so wie viele ja immer behaupten. Denn im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB §90a) steht das ausdrücklich (nur eben müssen in vielen Fällen Gesetze für Sachen angewendet werden, wobei mittlerweile die emotionale Bedeutung des Haustieres wohl vielfach berücksichtigt wird). Auch das der Tierschutz seit einiger Zeit Staatsziel ist in vielen Ländern, finde ich wuffig. *wedelfreu* Ist immerhin auch schon mal ein Fortschritt - wenn auch nur ein theoretischer... Aber wie sagte mal ein schlauer 2-Beiner, Mahatma Gandhi: "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln."


Interessante Literatur zu dem Thema: Einen juristischen Querbeet-Überblick bieten das Werk "Ihr Recht rund ums Haustier" von Andreas Ackenheil. Es ersetzt zwar nicht den Gang zum Anwalt, aber es hilft sich vorab zu informieren und so auch teils weit verbreiteten Irrtümern vorzubeugen.






PS: Dies ist der ergänzende Blogbeitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (05/2018) "Tiere haben ein Recht auf Hilfe!"



Donnerstag, 29. März 2018

Leser fragen Experten (Teil 3)

Anfang des vergangenen Jahres starteten wir ja auf unserer Facebook-Seite mit unserem Projekt "Leser fragen Experten". Darin können die Leser unseres Blogs und Social-Media-Kanäle ausgesuchte Experten der verschiedenen Fachgebiete aus der Hundeszene löchern und erfahren, was sie schon immer mal von ihnen wissen wollten. Doch nicht nur Fragen können die Leser stellen. Nein, ihr entscheidet sogar quasi mit! Die 5 Fragen mit den meisten Likes werden beantwortet! Alle paar Monate werden wir dann hier im Blog die Posts zusammenfassen.

Wer nicht fragt, bleibt dumm... ;-)

Im September beantwortete der Tierarzt Sebastian Jonigkeit-Goßmann von der Tierarztpraxis Dr. Elke Jonigkeit unseren Lesern die Fragen zur "Tiermedizin".


Anfang Oktober folgte dann die Ernährungsberaterin Anke Jobi von Clean Feeding zum Thema "Hundeernährung".


Ende Oktober stellte sich dann Martina Züngel-Hein von HundeReisenMehr sich den Fragen der Leser zum Thema "Hundeurlaub".


Wir danken allen Teilnehmern für ihre Antworten und vor allem den Lesern für ihre interessanten Fragen!

🐶 Yo, das war mal wieder hundsmäßig interessant! *ohrennachvorn* Und ich freu mich jedesmal pansig die 3 zu treffen und ganz nach Hundeart analog zu beschnüffeln. *freuwedel* Hier geht es übrigens zu Teil 1 und Teil 2!


Mittwoch, 7. März 2018

Zusammenführung eines Hunderudels

🐶 So ein eigenes Rudel ist schon toll! *jawohlwoaffwedelfreu* Vor allem wenn es sich um so hübsche Charakterdamen handelt wie bei meinen Mädels. *stolzwedel* Aber wenn die Hunde nicht von Anfang an zusammen aufwachsen, sie erst später zusammenkommen (so wie bei uns), dann ist so eine Rudelbildung nicht ohne... Worauf mein menschliches Cerebral-Interface so dabei achtet, hat er euch ja in unserer Kolumne im Hundemagazin WUFF beschrieben. Aber wie das bei uns so ablief, wie wir aufeinandertrafen, das will ich euch berichten.

Tessie, Rico, Djury und Smilla (v.l.n.r.)

Das 1. Mal traf ich auf die Mädels von Kerstin Hennings, der Chefin vom SHZ Suchhundezentrum, auf "neutralem Gebiet". Das war auf ihrer Durchreise zu ihrem Urlaub, da kam sie an Düsseldorf vorbei und wir trafen uns auf den Rheinwiesen in Oberkassel. Die Jüngste, Smilla, war sogleich Feuer und Flamme. *freuwedelhüpf* Kurzes Beschnuppern und schon tobten wir über die Wiesen. Kerstin war sehr erstaunt, wie vorsichtig und zärtlich ich mit ihr umging - immerhin wiege ich gut doppelt so viel wie sie. Ganz anders war da Djury, die Skeptikerin, die eher beobachtete. Damals lebte auch noch Tessie, die Älteste, die sich ganz damenhaft zurückhielt, denn in ihrem Alter war wildes Toben nicht so ihr Ding.



Aber dann: Irgendwann kamen wir dann zu Besuch. Schon als wir die Wohnung betraten, war das Gebell groß - schließlich war es das ureigenste Revier der 3 Hundedamen. Alle 3 stürmten also wie Furien mit Fell bellend auf uns los. Jetzt gibt es ja immer 2 mögliche Reaktionen: Angriff oder Flucht. Ich will es nicht so spannend machen, ich wählte keine von beiden. Denn ich blieb einfach stehen.

Das schien die Weibchen ein wenig zu irritieren, jedenfalls kläfften sie jetzt noch hysterischer - Mädchen halt. *frechwedel* Und als ich dann einmal kurz nur zurückwuffte (es war für meine Verhältnisse nicht einmal laut), sprangen sie zurück, suchten Schutz bei Kerstin - und waren still.

Schließlich bin ich ja durch die vielen unterschiedlichsten Erlebnisse sehr selbstsicher geworden. Viel Erfahrung ist eben gut für die Selbstsicherheit und den Charakter. Außerdem stand ja mein 2-Beiner beim Zusammentreffen die ganze Zeit neben mir. Das gab mir zusätzliche Sicherheit. Durch die vielen gemeinsamen Erlebnisse wusste ich ja, solange der Olle bei mir ist, kann mir nichts passieren - denn der passt auf mich auf (so wie ich ja auch auf ihn).

Die Erste bei der das Eis brach, war natürlich Smilla. Aber auch Tessie freundete sich schnell mit uns an, wenngleich wegen ihres Alters weniger stürmisch. Bei der skeptischen Djury brauchte es dagegen etwas länger - zumindest mir gegenüber. Zu meinem 2-Beiner fand sie aber recht schnell einen guten Draht und schon kurze Zeit später hatte sie einen richtigen Narren an ihn gefressen.


🐶 Der Olle auf der Couch und als unsere "Hundekissen" 😄

Nach den ersten gemeinsamen Gassigängen dann gehörte ich quasi schon zum Rudel. Mit jedem gemeinsamen Erlebnis wuchsen wir mehr zusammen. Und wenn wir - also mein 2-Beiner und ich - dann mal nicht da waren (weil wir andere Termine wahrnehmen mussten), fehlten wir den Mädels sofort. Vor allem Djury suchte immer wieder die Wohnung ab. Und sie und Smilla stritten sich regelmäßig um gewisse "Hinterlassenschaften" wie beispielsweise eine meiner Decken oder Unterhosen und Socken von meinem Ollen...













PS: Dies ist der ergänzende Beitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (04/2018) "Mehr Hunde, mehr Arbeit...aber auch mehr Spaß"
  


Mittwoch, 7. Februar 2018

Hundefitness - Das Leben ist Bewegung

🐶 Also mein menschliches Cerebral-Interface ist schon irgendwie niedlich. *frechwedel* Glaubt der Olle doch tatsächlich, dass er MICH mit den Übungen fit hält. Davon berichtet er ja in unserer aktuellen Kolumne im Hundemagazin WUFF. Er hat sich da ja auch Mühe gegeben und erkundigt; bei Martina Flocken von Doggy Fitness, deren Online-Kurs er sich angeschaut hat oder auch Autorin Carmen Heritier (Gymnastricks) und Tierphysiotherapeutin Sandra Rutz (Hundephysio Kressbronn), deren Buch im April im Kynos-Verlag erscheint und die ihm vorab Einblicke darin gewährten. Außerdem hat er ja alle 3 Damen mit seinen Fragen gelöchert (das nennt er "interviewen"). Sicher, solche Sportübungen tun mir auch gut. ABER: Er braucht sie viel mehr als ich. Ihr müsstet mal sehen, wie er über einen Baumstumpf balanciert. Während ich locker darüber schreite, sieht es bei ihm ein wenig aus, als ob ein zu langbeiniger und betrunkener Vogel versucht abzuheben. So sehr wedelt er mit den Armen herum – so aus Hundesicht zumindest (wir reagieren ja auf Bewegungen wesentlich „sensibler“ als ihr 2-Beiner).

🐶 Seht ihr? Der Olle freut sich doch so, dann mach ich mal mit. 😉
Foto: Lutz Borger

So macht Fitness Freude: Gleichzeitig was für die untere Rückenmuskulatur tun und die Aussicht genießen. 😄

Leider kann ich euch kein Foto davon präsentieren. *schüttel* Dummerweise sind Kameras leider nicht auf das Bedienen durch Hundepfoten ausgelegt. *brummm* Aber wer weiß, ich arbeite da gerade an einer Lösung. *frechwedelfreu*

Auf so einem Brunnenrand lässt sich wuffastisch Balancieren.

Umgefallene Bäume sind auch ein tolles Trainingsgerät.

Warum ich dann dennoch mit ihm die Fitnessübungen mache? Na, das ist doch klar! Der Olle freut sich doch so sehr. Das gönne ich ihm gern. Außerdem habe ich ja auch etwas davon – und zwar in doppelter Hinsicht. 1) Durch die Stimmungsübertragung springt seine Freude auch auf mich über – und das freut ihn wiederum wieder. Das schaukelt sich fast wie in einer Feedback-Schleife hoch. Und so kann schon das einfache Balancieren über einen gefällten Baum, den Rand eines Brunnens oder Ähnlichem zu wahren Lachattacken führen (bekanntlich ist Lachen ja gesund, u.a. auch so fördern wir Hunde mal wieder eure Gesundheit). 2) Es gibt meist nach jeder Übung leckeren Schmackofatz. *leftzenleckfreuwedel*

Und damit gestaltet sich auch ein Gassigang in gewohnten Revieren immer wieder abwechslungsreich. Vor allem: Das gemeinsame Erlebnis schweißt zusammen, stärkt also die Bindung. Ganz besonders, wenn es lustig ist – für uns Hunde, wie für euch felllose Primaten. *treuschau* Also, wenn ihr das nächste mal einen Baumstumpf oder gefällten Baumstamm seht, dann springt doch mal gemeinsam drüber oder balanciert darüber (natürlich immer der Größe, dem Alter und dem Gesundheitszustand angemessen!!!); oder lauft gemeinsam einen steilen Hügel hinauf... Viele Übungen lassen sich auch im Alltag einbauen und bringen so Abwechslung und gemeinsam verbrachte Zeit. Und wenn es mal schief läuft, ist gar nicht schlimm, oft sind das die lustigsten Situationen. Es gilt bei uns Hunden quasi auch euer alter olympischer Gedanke (von dem ja heutzutage nicht mehr viel übrig ist): "Dabei sein ist alles!" Apropos Olympia, ein schlauer 2-Beiner aus dem alten Griechenland, Aristoteles, schrieb mal: "Das Leben besteht in der Bewegung." Er muss es ja wissen, der olle Aristoteles, schließlich hat er sich auch mit Hunden beschäftigt (bspw. in seiner Historia animalium).


PS: Dies ist der ergänzende Beitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (03/2018) "Hundefitness - Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper - das gilt auch für Hunde"